Dienstag, 21. Januar 2014

Dienstag, 21. Januar 2014

Schon wieder ist eine Woche vergangen, seit ich hier geschrieben habe. Es war tatsächlich Lotta, die mich anrief. Sie hatte eine Überraschung für mich, wollte sie aber nicht sofort verraten, sondern erst am nächsten Tag. Also habe ich sie zum Mittagessen eingeladen. Dienstags arbeitet ihre Mutter immer länger, da passte das ganz gut.

Sie wünschte sich Reibeplätzchen mit Apfelmus und den Wunsch habe ich ihr gern erfüllt. Es ist herrlich, wenn man mittags nicht allein am Tisch sitzt und es schmeckt doppelt gut in Gesellschaft.
Wir haben also eine große Portion verspeist und dann rückte Lotta mit der Überraschung raus.
"Papa und Mama wollen dich fragen, ob du im Mai für ein paar Tage mit uns an die Nordsee fährst!" Sie strahlte übers ganze Gesicht und ging wohl nicht davon aus, dass ich "Nein" sagen würde. Und das habe ich natürlich auch nicht gemacht.
Ich war ewig nicht verreist und warum sollte ich nicht mitfahren? 
"Das ist ja toll, wohin geht es denn?"
"Das weiß ich nicht genau. Papa wird dir das alles noch erzählen. Ich sollte nur schon fragen, ob du überhaupt Lust dazu hast", verkündete Lotta und schnappte sich noch einen Reibekuchen.

Als Herr Wenzel sie dann am Spätnachmittag abholte, habe ich mehr erfahren. Er wollte mit seiner Familie gern den Brückentag um den ersten Mai nutzen und dann nach Cuxhaven fahren. Da sie dort ein Haus mieten wollten, wäre genug Platz und ich könnte ein eigenes Zimmer bekommen. 
"Was meinen Sie, würde Ihnen das gefallen? Sie wären natürlich unser Gast!"

Irgendwie war ich ein wenig beschämt und ein wenig Geld habe ich ja auch gespart. Als er dann aber erklärte, dass er und seine Frau so froh wären und Lotta diese Idee megamäßig fand, stimmte ich gern zu.
Ich freue mich schon sehr und Ulrich fand das auch sehr schön, dass ich mal wieder vor die Tür komme, wie man so schön sagt.

Heute kommt Lotta schon wieder zum Mittagessen, deshalb habe ich jetzt nicht mehr so viel Zeit zum Schreiben. Es gibt Erbsensuppe, die köchelt schon auf dem Herd.

Also dann, alles Liebe und bis bald
Luise Neumann

P.S. In Cuxhaven war ich früher schon, als Ulrich noch klein war. Mein Mann hatte starkes Asthma und am Meer fühlte er sich immer besonders wohl, deshalb ging es immer an die Nordsee in den Familienurlauben, bis auf eine einzige Ausnahme ... davon erzähle ich dann ein anders Mal!

Montag, 13. Januar 2014

13. Januar 2014

Bilder einstellen kann ich noch immer nicht - aber eines könnt ihr mir glauben: Ich bin auch so ganz gut beschäftigt.
Am Computer zu schreiben ist toll, aber eben doch ganz anders als mit meiner alten Schreibmaschine. Kaum hat man ein falsches Knöpfchen gedrückt, ist alles wieder weg. Mittlerweile habe ich aber gelernt, wie ich es dann wiederbekommen kann.
Eine große Hilfe ist Herr Wenzel für mich. Geduldig erklärt er mir alles und behebt auch die Fehler, die ich immer wieder mache. Manchmal habe ich große Schrift, dann wieder kleine, wo ich doch versprochen hatte größer zu schreiben, für die Brillenträger unter uns.

Ich merke, dass ich, je mehr ich schreibe, besser in einen Schreibfluss komme. Das ging mir schon früher so und ich hoffe, dass das auch so bleiben wird. Mir fehlt jetzt noch ein Drucker, damit ich mir meine Werke auch anschauen kann. Welche Werke? Na, ich schreibe nun erstmal alle meine alten Gedichte ab, die ich in den Jahren so verfasst habe - aber nur die, die auch andere interessieren könnten, nicht die, die ich zu Omma Schmidts Geburtstag oder zu Onkel Huberts Firmenjubiläum geschrieben haben. Ulrich meint, dass sich dafür niemand interessiert.

Ich schreibe das alles auf, damit etwas von mir bleibt. Ich will nicht "entdeckt" werden oder so, ich habe ganz einfach Freude daran.

So, genug übers Schreiben. Es gibt ja auch noch andere Dinge, die ich erzählen möchte. Z.B. Lotta! Sie ist jeden zweiten Tag hier bei mir. Gerade bringe ich ihr das Häkeln bei, damit sie für ihre Puppe mal ein Röckchen oder einen Pulli häkeln kann. Das macht uns beiden große Freude und dann sitzen wir im Wohnzimmer, sie häkelt und ich stricke Socken. Lotta hat schon welche, ihre Mutter auch und nun bekommt auch die Puppe Kathie Socken, das ist vielleicht eine Fisselarbeit, ich stricke lieber in Größe 45, da weiß man, was man hat. Ulrich hat Schuhgröße 45, er freut sich immer über meine Socken. "Es gibt keine besseren", sagt er immer.

Ja, und dann habe ich heute noch mit Katharina telefoniert - ach, das wisst ihr ja noch gar nicht. Ich hatte ja von Katharina eine so schöne Karte bekommen und das ging dann hin und her und auf einmal schellte das Telefon und sie war dran. Es war so, als kenne wir uns schon ewig, so viel hatten wir zu erzählen und wenn der Winter erstmal vorbei ist, dann wird sie mich besuchen, das hat sie versprochen. Sie kommt dann mit dem Zug und kann in Ulrichs Zimmer übernachten. Darauf freue ich mich schon sehr.

In der Schule waren Ferien und in diesem Jahr war ich noch nicht da. Aber Herr Wenzel hat schon wieder angefragt, wann ich das nächste Mal kommen möchte. Die Kinder würden immer nach mir fragen. Das tut gut, so gut.

Gestern Abend habe ich etwas geweint. Heute habe ich mich schon wieder gefangen und mir gesagt: "Luise, das war doch nur ein Film"
Ich habe mir nämlich Wallanders Abschied angeschaut und das hat mich so mitgenommen. Kurt war ja in den letzten Folgen schon so seltsam und ich habe schon vermutet, dass er krank ist. Dass er Alzheimer hat, das habe ich aber erst vor ein paar Wochen mitbekommen und gestern, da war es ganz schlimm. Meine Güte, hat er mir leid getan.
Ich bete, dass ich so eine Krankheit nicht bekommen werde. Ich habe darüber schon so viel gehört und gelesen, es muss schrecklich sein, auch für die Angehörigen. Ich schiebe diesen Gedanken erstmal wieder weg, sonst muss ich schon wieder weinen. Manchmal ist das Leben schön, manchmal nicht.

Das Telefon schellt, sicher ist das Lotta, also dann - bis zum nächsten Mal.

Es grüßt 
Luise Neumann

Freitag, 27. Dezember 2013

Veränderungen - Der Tag nach Weihnachten

Lange habe ich überlegt, wie ich meiner Autorin beibringen soll, dass ich nun gern selbst zu Wort kommen möchte. Jetzt wage ich es einfach und hoffe, dass sie mir nicht böse ist - und ihr auch nicht.

Es hat sich einiges getan bei mir, seit sie euch von mir erzählt hat, aber das habt ihr ja mitbekommen.
Ich war mehrere Male in der Schule und habe Herrn Wenzel und seine Klasse besucht. Mittlerweile Bin ich ein fester Bestandteil des Unterrichts geworden.
Es macht mir Spaß mich darauf vorzubreiten, eine Menge Spaß. 
Und dann war ja Ulrich da, mein Sohn. Er hat mir eine riesige Freude gemacht, indem er mir seinen alten Computer vererbt hat. 

Ich hatte zuerst ein bisschen Angst davor, doch nun komme ich schon ganz gut zurecht und wenn ich ein Problem habe, dann hilft mir Herr Wenzel dabei. Dafür passe ich ab und zu auf die kleine Lotta auf, wenn ihre Eltern mal aus dem Haus müssen und das Kind nicht allein lassen wollen.
Ich möchte hier nun regelmäßig selbst schreiben, die liebe Regina hat genug zu tun und schiebt es immer wieder vor sich her, von mir zu erzählen.
Außerdem habt ihr es dann eins zu eins, da geht nichts verloren, was euch vielleicht interessieren könnte, nicht wahr?

Ich schreibe in etwas größerer Schrift, dann kann ich es selbst besser entziffern. Meine Augen sind nicht mehr die besten und die Gleitsichtbrille, die ich nun zusammen mit Ulrich gekauft habe, ist gewöhnungsbedürftig. Nun ja, wird schon, sage ich immer.

Ich werde schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir treu bleibt. Jetzt muss ich aber aufhören, denn gleich kommt meine Lieblingsserie im TV und dann wollte ich auch noch den Socken für Lotta fertigstricken, die hat immer so kalte Füße. Sobald ich gelernt habe, wie man hier Bilder einstellen kann, zeige ich euch auch meine Handarbeiten - oder ich frage Herrn Wenzel.

Ich wünsche einen schönen Abend
eure
Luise Neumann

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Oma Neumann (18)

Mit einem fröhlichen "Hallo" wurde Frau Neumann am Donnerstag in der Schule empfangen. Die Kinder hatten sich schon sehr auf den erneuten Besuch gefreut und dass Frau Neumann nun noch leckere Kekse mitbrachte, das war die Krönung.

Herr Wenzel hatte mit den Kindern einen großen Stuhlkreis gebildet, so dass man gemütlich beisammen sitzen konnte und Frau Neumann durfte auf seinem Lehrerstuhl sitzen, da die Klassenstühle doch ein wenig unbequem für eine erwachsene Person waren.

"Heute möchte ich euch ein wenig von meiner Schulzeit erzählen", begann Frau Neumann. "Ich wurde im Frühjahr des Jahres 1940 eingeschult. Es war ein aufregender Tag für mich. Meine Mutter hatte mir einen Rock gestrickt und dazu passend eine Strickjacke. Dunkelrote Wolle hatte sie dafür erstanden und ich fand mich ganz toll. Meine langen Haare waren zu Zöpfen geflochten und an jedem Zopfende prangte eine dicke, weiße Schleife. Einen kleinen Ledertornister hatte ich bekommen, in dem steckte eine Schiefertafel und ein Griffelkasten. Aber das Wichtigste an diesem Tag war meine Schultüte. Ach war die herrlich!"

Die Kinder riefen durcheinander und wollten auch von ihren Schultüten erzählen.
"Einer nach dem anderen", ordnete Herr Wenzel an und rief Jonas auf.

"Ich hatte eine Schultüte mit einem Dino drauf!", erzählte er und Annika berichtete von ihrer Tüte:
"Meine war rosa und mit ganz vielen Prinzessinnen geschmückt"
"Wie sah Ihre Schultüte aus?", fragte Murat.
"Sie war rot, aus Ganzpapier und ein Tauschbild klebte darauf, ein kleiner Hund mit riesigen Augen und lustigen Schlappohren. Ich mochte Hunde immer so gern.", erzählte Frau Neumann.
"Und was war drin?", fragte Lotta.
"Ein Apfel, eine Tüte selbst gemachte Karamellbonbons, zwei Haarschleifen und eine Karte, die mein Großvater gemalt hatte. Er konnte wunderbar zeichnen und malen. Die Karte zeigte zwei Rehe auf einer Waldlichtung, heute hängt sie in meinem Wohnzimmer, fein gerahmt."

Herr Wenzel wollte gern wissen, wie viele Kinder eingeschult wurden, als Frau Neumann in die Schule kam.
"Es waren wenige, nur zwölf Kinder und wir hatten Unterricht zusammen mit der zweiten Klasse, also in einem Klassenzimmer. Unsere Lehrerin hieß Fräulein Böckmann, sie war sehr nett, aber streng. Ich hatte immer ein wenig Angst, dass ich etwas falsch mache und sie dann mit mir schimpfen würde."
Herr Wenzel lachte.
"Aber Sie waren doch sicher eine ganz brave Schülerin, oder?"
"Na ja, das kann man so nicht sagen, ich hatte auch so einige Scherze auf Lager und einmal musste ich sogar nachsitzen. Da hatte nämlich der Josef aus der Zweiten an meinen Zöpfen gezogen und ich habe so laut geschrieen, dass man mich im Lehrerzimmer hören konnte. Das war dann nicht so lustig, denn zu Hause bekam ich dann gleich noch einmal Schimpfe vom Vater, weil ich zu spät zum Essen kam."
"Das ist ungerecht!", rief Lotta. "Du konntest doch nichts dafür!"
"Wir haben uns wieder vertragen, der Josef und ich, er hat nie wieder an meinen Zöpfen gezogen und ich musste auch nicht mehr herumschreien. Ich habe es überlebt!"
Frau Neumann lachte bei der Erinnerung an diese Begebenheit, dann ließ sie die Plätzchendose kreisen und schon war die Zeit mit den Kindern wieder zu Ende.
"Kommen Sie wieder?", fragte Herr Wenzel und alle Schüler riefen:
"Oh ja, bitte, kommen Sie bald wieder!"
"Klar, ich komme ja viel zu gerne zu euch!"
Dann hatte es Frau Neumann plötzlich eilig, denn sie musste sich auf den Besuch des Sohnes vorbereiten und zum Markt wollte sie auch noch, Termine, Termine!
 

Mittwoch, 27. November 2013

Oma Neumann (17)



17

Einen ganzen Stapel Pfannkuchen hatte Frau Neumann gebacken. Einige davon schlug sie in Alufolie ein, die nahm Herr Wenzel mit, als er Lotta mittags zu ihr brachte.

„Das ist so lieb von Ihnen, ich liebe Pfannkuchen und meine Frau wird sich freuen“, sagte er.

Lotta lief gleich in die Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch. Sie konnte es kaum erwarten, dass ihr Vater endlich ging, denn sie wollte Frau Neumann ganz für sich allein haben. Dass Erwachsene immer so viel zu erzählen haben und die Kinder dann warten müssen, das gefiel ihr nicht.

Lange musste sie diesmal aber nicht warten, denn ihr Papa hatte nicht viel Zeit, da er am Nachmittag wieder in die Schule musste. Danach würde er sie dann abholen.

„Bedien dich, Kind. Magst du Quark dazu, oder lieber Marmelade?“, fragte Frau Neumann.

Lotta entschied sich für beides.

„Zuerst esse ich einen Pfannkuchen mit Quark und dann einen mit Marmelade. Wenn ich dann immer noch Hunger habe, nehme ich wieder Quark“, kündigte sie an. Frau Neumann lachte.

„Da hast du dir aber viel vorgenommen. Wir werden sehen!“

Mit gutem Appetit verspeiste Lotta tatsächlich drei Pfannkuchen und strich sich dann wohlig über den Bauch.

„Das war lecker!“

„Das freut mich aber sehr. Kannst du denn jetzt noch beim Plätzchen backen helfen, oder ist der dicke Bauch im Weg?“, fragte Frau Neumann lachend.

„Ich kann, wann geht es los?“

„Sobald wir den Tisch abgeräumt haben, hilfst du mir?“

„Klar, wo ist deine Spülmaschine?“ Lotta sah sich suchend um, entdeckte aber keine Maschine.

„Hab ich nicht, ich bin doch ganz allein, da brauche ich so ein Gerät nicht. Ich spüle mit der Hand, aber das kann ich später machen. Zuerst die Plätzchen, okay?“

Auf dem Küchentisch war nun genug Platz, so dass Frau Neumann den Teig ausrollen konnte. Lotta nahm die Formen und stach Tannenbäume, Sterne und Nikolausstiefel aus, die sie dann sorgfältig auf das vorbereitete Backblech legte. Das ging dann ab in den Ofen und schon bald roch es köstlich nach Plätzchen.

„Das riecht wie Weihnachten!“, stellte Lotta fest, die damit beschäftigt war, das nächste Blech zu füllen. „Bei meiner Oma habe ich auch immer geholfen, aber jetzt ist sie im Himmel und guckt uns zu“, erklärte sie Frau Neumann.

„Und mein Mann Klaus steht daneben und freut sich, dass ich eine neue Freundin gefunden habe oder besser gesagt, dass die neue Freundin mich gefunden hat.“

„Meinst du?“, fragte Lotta und steckte sich einen Teigbrocken in den Mund.

„Ja, das meine ich und du meine liebe Freundin solltest nicht zu viel Teig naschen, sonst bekommst du Bauchweh!“

Lotta lachte.

„Das hat Oma auch immer gesagt, ich habe aber nie Bauchschmerzen bekommen.“

Sie überlegte einen Moment und dann fragte sie:

„Darf ich dich mal drücken?“

Frau Neumann schluckte, so sehr berührte sie diese Frage und dann breitete sie die Arme aus.

„Komm her, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als dich zu drücken!“, sagte sie und dann hielt sie die kleine Lotta im Arm und sie genoss es so sehr, dass ihr beinahe ein paar Tränen aus den Augen direkt auf Lottas hellblonden Schopf gepurzelt wären, aber nur beinahe.




Montag, 25. November 2013

Oma Neumann (16)



16

Lange hatte Frau Neumann geschrieben und dabei die Zeit vergessen. Seite um Seite hatte sie gefüllt mit ihrer fein säuberlichen Handschrift. Als sie alles noch einmal durchgelesen hatte, schmunzelte sie zufrieden. Noch war sie nicht bei ihrer Schulzeit angekommen, aber ein Anfang war gemacht und es würde ihr leicht fallen, den Kindern demnächst in der Schule auch von dieser Zeit zu berichten.
„Aber nun muss ich erstmal schlafen“, sagte sie zu sich selbst und löschte das Licht. Sie konnte nicht gleich einschlafen, drehte sich auf die Seite und schaute auf das leere Bett, in dem Klaus sonst immer in ihrer Nähe gewesen war. Vielleicht sollte sie das Schlafzimmer umgestalten, ein Einzelbett aufstellen und einen Schreibtisch ans Fenster, damit sie einen schönen Arbeitsplatz hatte. Das Schlafzimmerfenster zeigte direkt in den Garten, ein schöner Blick war das und sie konnte sich gut vorstellen, dort zu sitzen und zu schreiben. Klaus würde das gut finden, davon war sie überzeugt.
Doch das hatte Zeit, sie wollte mit Ulrich darüber sprechen, wenn er am Wochenende da war. Wie sehr freute sie sich auf das Wiedersehen und sie war gespannt, welche Überraschung auf sie wartete.

Am nächsten Tag beschloss sie die kleine Lotta einzuladen und mit ihr zusammen Plätzchen zu backen. Eine Dose davon wollte sie gern mit in die Schule nehmen und den Kindern eine Freude machen und eine weitere Portion war dann für das Wochenende mit Klaus und Monika gedacht.
Sie bereitete einen Teig zu, der im Kühlschrank auf die Verarbeitung warten konnte. Dann zog sie ihren Mantel an und ging zur Schule, um Lotta und ihren Vater zu treffen.
Wieder wurde sie mit einem großen „Hallo“ begrüßt und da Herr Wenzel an diesem Tag die Pausenaufsicht hatte, konnte sie ihn auch gleich fragen, ob Lotta am Nachmittag zu ihr kommen durfte.
„Aber gern, Frau Neumann. Meine Frau wird sich freuen, weil sie sich heute nicht wohlfühlt. Sie brütet wohl eine Erkältung aus und ich habe noch die Korrekturen der letzten Klassenarbeit zu erledigen. Das passt so gut heute!“
„Prima, dann bringen Sie doch Lotta gleich mittags, wenn sie wollen. Ich backe uns einen schönen Pfannkuchen und ihre Frau kann sich ordentlich ausruhen.“
„Gern, am Abend hole ich sie dann ab, vielleicht rufen Sie mich kurz an, wenn Sie soweit sind“, Herr Wenzel war sichtlich erfreut und Lotta jubelte.
„Klasse, ich freu mich so!“, rief sie und gesellte sich wieder zu ihren Freunden.
„Wollen wir auch gleich einen Termin für den nächsten Besuch machen?“, fragte der Lehrer und sie verabredeten sich für den Donnerstag.
„Am Freitag passt es mir nicht so gut, denn mein Sohn und seine Frau kommen zu Besuch, da gibt es noch einiges zu tun“, erzählte Frau Neumann.
„Ach, wie schön“, Herr Wenzel freute sich für die alte Dame, der die Freude auf den Besuch anzusehen war.
„Ja, das finde ich auch … und er hat eine Überraschung für mich, der Ulrich. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen!“
Herr Wenzel lachte laut auf.
„Sie sind ein Original, Frau Neumann, wie gut, dass wir Sie kennenlernen durften!“
„Danke schön, das gilt auch für mich, ich bin so froh, ich kann es gar nicht beschreiben“, antwortete Frau Neumann. Sie war gern ein Original.



Mittwoch, 20. November 2013

Oma Neumann (15)

Als Klaus noch lebte, da hatten sie zusammen die Kinder oft besucht. Vor allem, als Sebastian, das Enkelkind, noch klein war, waren sie regelmäßig zu ihnen gefahren.
Klaus hatte den Wagen sicher über die Autobahnen gelenkt und Luise hatte daneben gesessen und ihn mit Schokolade und Getränken versorgt. Sie selbst hatte auch einen Führerschein, war aber nie längere Strecken gefahren und später traute sie sich das auch nicht mehr zu.
Dann war ihr Mann gestorben und sie hatte den Wagen verkauft. Bei ihrer kleinen Witwenrente hätte sie ihn sowieso nicht halten können und es war ja auch gar nicht nötig gewesen.

Jetzt war Sebastian erwachsen und weilte in den USA zu einem Auslandsemester. Luise Neumann war stolz auf ihn. Er hatte ein tolles Abitur gemacht und alle Möglichkeiten standen ihm offen. Ulrich war auch so zielstrebig gewesen und hatte einen guten Job bei einer Krankenkasse, die überall in Deutschland Niederlassungen hatte.

Sie selbst hatte seinerzeit den Beruf der Modistin erlernt, ein Beruf, der ihr immer viel Spaß gemacht hatte. Als Ulrich dann geboren war, war sie zu Hause geblieben. Es hatte ihr nichts ausgemacht, für ihren Mann und ihr Kind dazusein. Als Ulrich dann älter war, gab es keine Möglichkeit mehr für sie, in ihren alten Beruf einzusteigen. Sie hatte sich in der Altenpflege engagiert, war oft ins Altenheim vorort gegangen und kümmerte sich dort um die Menschen, die keinen Besuch von Angehörigen bekamen, weil entweder keine da waren, oder man sie vergessen hatte.
Schon damals hatte ihr Herz weh getan, wenn sie darüber nachdachte, dass es jedem mal so gehen könnte und er dann auf dem Abstellgleis auf seinen Tod warten musste.

Frau Neumann schüttelte sich, bei dem Gedanken. Wie gut hatte sie es doch. Ulrich meldete sich regelmäßig und besuchte sie, wann immer er es ermöglichen konnte. Glücklicherweise ging es ihr gesundheitlich ja noch recht gut. Hier und da ein Zipperlein, das konnte sie ertragen.
Bald würde sie achtzig Jahr alt werden, viele erreichten dieses Alter gar nicht, oder sie waren krank und auf ständige Hilfe angewiesen. Luise Neumann war dankbar und auch, wenn sie sich in den letzten Jahren oft einsam gefühlt hatte, so erkannte sie doch, dass es Menschen gab, denen es viel schlechter ging als ihr.

Nun hatte sich die Zeit wieder verändert und das war ein wunderbares Gefühl. Neue Menschen waren in ihr Leben getreten, mit denen sie reden konnte und die ihr das Gefühl gaben wichtig zu sein.
Ach, sie freute sich so sehr auf den Besuch der Kinder. Alles wollte sie ihnen erzählen und ihnen sagen, wie gut es ihr ging und dass sie sich um sie gar nicht sorgen müssen.

Frau Neumann nahm einen Block und machte sich Notizen. "Ich will alles aufschreiben", dachte sie und fing am Tag ihrer Geburt an, von der ihr der Vater immer erzählt hatte.
"Es war der 13. März 1934", schrieb sie. "Ein Dienstag!"