Mittwoch, 20. November 2013

Oma Neumann (15)

Als Klaus noch lebte, da hatten sie zusammen die Kinder oft besucht. Vor allem, als Sebastian, das Enkelkind, noch klein war, waren sie regelmäßig zu ihnen gefahren.
Klaus hatte den Wagen sicher über die Autobahnen gelenkt und Luise hatte daneben gesessen und ihn mit Schokolade und Getränken versorgt. Sie selbst hatte auch einen Führerschein, war aber nie längere Strecken gefahren und später traute sie sich das auch nicht mehr zu.
Dann war ihr Mann gestorben und sie hatte den Wagen verkauft. Bei ihrer kleinen Witwenrente hätte sie ihn sowieso nicht halten können und es war ja auch gar nicht nötig gewesen.

Jetzt war Sebastian erwachsen und weilte in den USA zu einem Auslandsemester. Luise Neumann war stolz auf ihn. Er hatte ein tolles Abitur gemacht und alle Möglichkeiten standen ihm offen. Ulrich war auch so zielstrebig gewesen und hatte einen guten Job bei einer Krankenkasse, die überall in Deutschland Niederlassungen hatte.

Sie selbst hatte seinerzeit den Beruf der Modistin erlernt, ein Beruf, der ihr immer viel Spaß gemacht hatte. Als Ulrich dann geboren war, war sie zu Hause geblieben. Es hatte ihr nichts ausgemacht, für ihren Mann und ihr Kind dazusein. Als Ulrich dann älter war, gab es keine Möglichkeit mehr für sie, in ihren alten Beruf einzusteigen. Sie hatte sich in der Altenpflege engagiert, war oft ins Altenheim vorort gegangen und kümmerte sich dort um die Menschen, die keinen Besuch von Angehörigen bekamen, weil entweder keine da waren, oder man sie vergessen hatte.
Schon damals hatte ihr Herz weh getan, wenn sie darüber nachdachte, dass es jedem mal so gehen könnte und er dann auf dem Abstellgleis auf seinen Tod warten musste.

Frau Neumann schüttelte sich, bei dem Gedanken. Wie gut hatte sie es doch. Ulrich meldete sich regelmäßig und besuchte sie, wann immer er es ermöglichen konnte. Glücklicherweise ging es ihr gesundheitlich ja noch recht gut. Hier und da ein Zipperlein, das konnte sie ertragen.
Bald würde sie achtzig Jahr alt werden, viele erreichten dieses Alter gar nicht, oder sie waren krank und auf ständige Hilfe angewiesen. Luise Neumann war dankbar und auch, wenn sie sich in den letzten Jahren oft einsam gefühlt hatte, so erkannte sie doch, dass es Menschen gab, denen es viel schlechter ging als ihr.

Nun hatte sich die Zeit wieder verändert und das war ein wunderbares Gefühl. Neue Menschen waren in ihr Leben getreten, mit denen sie reden konnte und die ihr das Gefühl gaben wichtig zu sein.
Ach, sie freute sich so sehr auf den Besuch der Kinder. Alles wollte sie ihnen erzählen und ihnen sagen, wie gut es ihr ging und dass sie sich um sie gar nicht sorgen müssen.

Frau Neumann nahm einen Block und machte sich Notizen. "Ich will alles aufschreiben", dachte sie und fing am Tag ihrer Geburt an, von der ihr der Vater immer erzählt hatte.
"Es war der 13. März 1934", schrieb sie. "Ein Dienstag!"

Kommentare:

  1. Wie schön das Frau Neumann alles aufschreiben will, ihr Leben hat eine positive Richtung eingeschlagen und macht sie glücklich.

    Danke liebe Regina.
    Liebe Grüße
    Angelika

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    1. Danke schön, liebe Angelika,
      ich freue mich, dass du mich begleitest in der Geschichte!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  2. Ich bin Oma Neumann gerne auf ihren extra Blog gefolgt, schön dass er jetzt ihr ganz alleine gehört. LGLore

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    1. Danke schön, Lore,
      ich freu mich sehr!
      Herzliche Grüße
      Regina

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  3. Liebe Regina, ich freue mich, dass Oma Neumann einen eigenen Block bekommen hat.
    In ihrem Alter hat sie es auch verdient, und wir ziehen mit. So möchten wir ihr Leben begleiten,
    und uns an ihrem Leben erfreuen. Mein Dank geht an dich, du versorgst uns mit diesen Geschichten.
    Wünsche dir einen wunderschönen Tag und sage danke.
    Herzlichst Margot.

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    1. Danke schön, liebe Margot,
      ich freue mich, dass auch du mitziehst und Frau Neumann weiterhin begleitest!
      Herzliche Grüße
      Regina

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