Mittwoch, 27. November 2013

Oma Neumann (17)



17

Einen ganzen Stapel Pfannkuchen hatte Frau Neumann gebacken. Einige davon schlug sie in Alufolie ein, die nahm Herr Wenzel mit, als er Lotta mittags zu ihr brachte.

„Das ist so lieb von Ihnen, ich liebe Pfannkuchen und meine Frau wird sich freuen“, sagte er.

Lotta lief gleich in die Küche und setzte sich an den gedeckten Tisch. Sie konnte es kaum erwarten, dass ihr Vater endlich ging, denn sie wollte Frau Neumann ganz für sich allein haben. Dass Erwachsene immer so viel zu erzählen haben und die Kinder dann warten müssen, das gefiel ihr nicht.

Lange musste sie diesmal aber nicht warten, denn ihr Papa hatte nicht viel Zeit, da er am Nachmittag wieder in die Schule musste. Danach würde er sie dann abholen.

„Bedien dich, Kind. Magst du Quark dazu, oder lieber Marmelade?“, fragte Frau Neumann.

Lotta entschied sich für beides.

„Zuerst esse ich einen Pfannkuchen mit Quark und dann einen mit Marmelade. Wenn ich dann immer noch Hunger habe, nehme ich wieder Quark“, kündigte sie an. Frau Neumann lachte.

„Da hast du dir aber viel vorgenommen. Wir werden sehen!“

Mit gutem Appetit verspeiste Lotta tatsächlich drei Pfannkuchen und strich sich dann wohlig über den Bauch.

„Das war lecker!“

„Das freut mich aber sehr. Kannst du denn jetzt noch beim Plätzchen backen helfen, oder ist der dicke Bauch im Weg?“, fragte Frau Neumann lachend.

„Ich kann, wann geht es los?“

„Sobald wir den Tisch abgeräumt haben, hilfst du mir?“

„Klar, wo ist deine Spülmaschine?“ Lotta sah sich suchend um, entdeckte aber keine Maschine.

„Hab ich nicht, ich bin doch ganz allein, da brauche ich so ein Gerät nicht. Ich spüle mit der Hand, aber das kann ich später machen. Zuerst die Plätzchen, okay?“

Auf dem Küchentisch war nun genug Platz, so dass Frau Neumann den Teig ausrollen konnte. Lotta nahm die Formen und stach Tannenbäume, Sterne und Nikolausstiefel aus, die sie dann sorgfältig auf das vorbereitete Backblech legte. Das ging dann ab in den Ofen und schon bald roch es köstlich nach Plätzchen.

„Das riecht wie Weihnachten!“, stellte Lotta fest, die damit beschäftigt war, das nächste Blech zu füllen. „Bei meiner Oma habe ich auch immer geholfen, aber jetzt ist sie im Himmel und guckt uns zu“, erklärte sie Frau Neumann.

„Und mein Mann Klaus steht daneben und freut sich, dass ich eine neue Freundin gefunden habe oder besser gesagt, dass die neue Freundin mich gefunden hat.“

„Meinst du?“, fragte Lotta und steckte sich einen Teigbrocken in den Mund.

„Ja, das meine ich und du meine liebe Freundin solltest nicht zu viel Teig naschen, sonst bekommst du Bauchweh!“

Lotta lachte.

„Das hat Oma auch immer gesagt, ich habe aber nie Bauchschmerzen bekommen.“

Sie überlegte einen Moment und dann fragte sie:

„Darf ich dich mal drücken?“

Frau Neumann schluckte, so sehr berührte sie diese Frage und dann breitete sie die Arme aus.

„Komm her, ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als dich zu drücken!“, sagte sie und dann hielt sie die kleine Lotta im Arm und sie genoss es so sehr, dass ihr beinahe ein paar Tränen aus den Augen direkt auf Lottas hellblonden Schopf gepurzelt wären, aber nur beinahe.




Kommentare:

  1. Ach wie schön liebe Regina, es berührt mich sehr und erinnert mich an meine Oma und Plätzchen backen in der Vorweihnachtszeit.
    Danke für die tolle Geschichte.

    Liebe Abendgrüße
    Angelika

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    1. Danke schön, Angelika,
      einen schönen Tag dir und liebe Grüße
      Regina

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  2. Liebe Regina, ich habe mich bei meiner Mutter in der Weihnachtsküche gesehen,
    wir haben Plätzchen gebacken und herumgealbert. Es war sehr schön ... und gedrückt
    habe ich meine Mutsch auch.
    Danke für diese schöne Fortsetzung.
    Liebe Grüße, Margot.

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  3. Hallo Regina :)

    ich war auch gerne bei meiner Oma *seufz* Stunden die man nicht mehr vergisst :)
    Deine Geschichte mit Oma Neumann erinnert mich auch ein wenig daran - schön.

    Lieben Gruß und einen netten Tag für Oma Neumann und Lotta ;)
    Björn :)

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